Der Salzbrunnen PDF  | Drucken |  E-Mail

Besichtigung mit Bildvortrag
Referent: Horst Lang M.A.
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Der Salzbrunnen in Sulzbach - ein historischer Abriss


Trotz der ersten urkundlichen Erwähnung von „solzpach“ 1346, begann die Sulzbacher Salzgeschichte, die der Stadt ihren Namen gab, erst 1549. Denn zu dieser Zeit ging Sulzbach, das zuvor mehreren Herren unterstanden hatte, durch ein Tauschgeschäft mit dem Pfalzgrafen von Zweibrücken ganz in den Besitz der Grafschaft Nassau- Saarbrücken über. Aus dem Jahr 1549 haben wir die Nachricht, dass der Salzbrunnen in diesem Jahr „aufgethan und gebraucht, also das Saltz alda gesotten und gemacht“ wurde (zitiert bei K. L. Jüngst, Nassau- Saarbrücker Salzgewinnung, S. 9).

Salz war damals ein wichtiges Mittel zur Konservierung und wurde zu dieser Zeit hauptsächlich aus Salinen gewonnen. In der Erde wurden Salze durch einsickerndes Regenwasser aus den salzhaltigen Buntsandsteinen gelöst.



Das dabei entstandene salzhaltige Wasser nannte man Sole und diese stand oder floss auf der wasserundurchlässigen Schicht im Boden. Dieses Wasser wurde durch den Bau von Brunnen gesammelt und durch Hebewerke, deren Technik sich im Laufe der Zeit verfeinerte, aus dem Brunnen gehoben. Die Sole wurde dann über Leitungen in das sogenannte Sudhaus geleitet, wo es auf einer großen Pfanne durch Hitzezufuhr verdampft wurde.



Durch diesen insgesamt ca. 24 Stunden andauernden Vorgang kristallisierte das Salz und wurde danach zum Trocknen auf Bänke geschoben oder in Körben in ein anderes Gebäude gebracht. Die Arbeit in diesen Anlagen war durch die große Hitze und den beißenden Geruch für die Arbeiter sehr beschwerlich.

In Sulzbach wurde der Brunnen zunächst nur provisorisch überdacht. Das war wichtig, da sonst das Regenwasser die Sole verdünnt hätte. 1549- 1560 wurde die Saline von Unternehmern betrieben, die sie von der Herrschaft für eine bestimmte Zeit in Erbpacht erhielten. Aber schon 1560 war die Anlage renovierungsbedürftig und wurde wieder von den Landesherren betrieben. Danach haben wir erst wieder für das Jahr 1574 eine Nachricht über das Sulzbacher Salzwerk. Wahrscheinlich war es bis dahin außer Betrieb.

Johann Thölde Johann Thölde

Auch in der Folgezeit wechselten sich Jahre des Betriebs mit Jahren der Stilllegung immer wieder ab. Genauso die Betreibung durch den Landesherrn und von Pächtern. Grund dafür war der niedrige und stark schwankende Salzgehalt der Sole, die manchmal sogar ganz versiegte. In der Folgezeit wurden viele technische Neuerungen vorgenommen:


Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Sole mit Hilfe der Kettenförderung und Pferdekraft gehoben, nicht mehr per Hand. 1610 wurde die Saline wieder in Betrieb genommen, verfiel aber erneut, weil sich die Produktion als unrentabel erwies. Durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges gab es lange Zeit keine Salzgewinnung mehr in Sulzbach. Einige Verhandlungen mit neuen Pächtern im Laufe des 17. Jahrhunderts scheiterten an der Unnachgiebigkeit des Grafen und den zu hohen Forderungen mancher Pachtanwärter.

Nachdem Nassau- Saarbrücken ab 1682 unter französischer Herrschaft gestanden hatte, musste Ludwig XIV. es 1697 im Frieden von Rijswijk wieder freigeben. Er behielt jedoch Saarlouis als Garnisonsstadt. Da er sie aber von den umliegenden Gebieten förmlich abriegelte, gingen viele Kaufleute und Geschäftsinhaber der Stadt bankrott und mussten ihren Besitz für wenig Geld verkaufen. Vor diesem Hintergrund wollten nun einige dieser „flüchtenden“ Saarlouiser Kaufleute die Sulzbacher Saline pachten. Als diese neuen Pächter jedoch den Pachtvertrag nicht erfüllten und nicht wie vereinbart Ostern 1699 mit dem Sieden begannen, brach ein Rechtsstreit mit dem Landesherrn, Graf Ludwig Kraft, los. In dessen Verlauf tauchten sogar Soldaten in Sulzbach auf, um den Geldforderungen des Herrschers Nachdruck zu verleihen. Der Graf wandte sich in dieser Sache schließlich sogar an den französischen König. Es kam zwar zu einem Prozess, dessen Ausgang ist jedoch ungewiss.
Eine interessante Geschichte ist ein Fall von lothringischer Wirtschaftsspionage. 1699 sah der damalige neue Herzog von Lothringen, Leopold, in der Sulzbacher Saline eine Konkurrenz zu seinen eigenen Salzwerken von Dieuze. Er beauftragte den Geographen Didier Bugnon, die Saline zu inspizieren und einen Bericht zu verfassen. Er wurde in Sulzbach jedoch nicht lange geduldet, da er die mittlerweile 3 Brunnen untersuchte und Siedeproben entnahm, was man zu Recht als Bedrohung empfand. Der Herzog verlangte vom Grafen, er möge sein Vorhaben, das Salzwerk wieder zur errichten, nicht verwirklichen. Als der Graf darauf nicht einging, wurde von einem lothringischen Amtmann sogar mit militärischer Intervention gedroht. Es ist jedoch nicht sicher, ob diese Drohung tatsächlich vom Herzog selbst stammte, denn es kam nie dazu.



1720 wurde die Saline dann erneut renoviert und unter landesherrschaftlichem Betrieb kam es dann auch zu einem Aufschwung. Es wurden Fachleute angeworben und der Betrieb einem Faktor zur Aufsicht unterstellt. Ein Dorngradierungswerk wurde errichtet. Eine solche Vorrichtung bestand aus einem hohen Holzgerüst, auf dem Schwarzdornheckenbüschel angebracht wurden. Die Sole wurde durch Wasserkraft auf dieses Werk gehoben und traf auf die Hecken, deren Dornen sie fein zerstäubten und so eine größere Verdunstungsoberfläche schufen. Damit ließ sich viel Brennmaterial, das zur weiteren Verdunstung nötig war, sparen.



1724 wurde das Werk wiederum verpachtet, jedoch folgte kurz darauf wieder eine Zeit des Niedergangs.

Die letzte Salzperiode begann 1730, als Joseph Todesco aus dem heutigen Hessen mit seinen Facharbeitern nach Sulzbach kam und das Werk pachtete. Er verlegte alle Funktionsgebäude nach Dudweiler. Nur der Brunnen blieb in Sulzbach, den er von ursprünglich 7- 8 m Tiefe auf 20 m ausbaute. Auch das heutige Salzbrunnenhaus stammt aus dieser Zeit. Er baute eine Leitung für die Sole am Sulzbach entlang bis nach Dudweiler, wo das Wasser, da das Dudweiler Gelände niedriger lag, als das Sulzbacher, so schon oberhalb des Gradierwerkes ankam, und damit die erste Hebung der Sole auf dieses Werk gespart werden konnte. Durch ein sogenanntes Repetierwerk wurde die Sole dann noch einige Male auf das Gradierwerk gehoben und immer feiner zerstäubt. Todesco war mit dieser Methode sehr erfolgreich, denn er gewann im Jahr 1732 1160 Zentner Salz und im Jahr darauf sogar 1934 Zentner. Damit konnte der Salzbedarf ganz Nassau- Saarbrückens gedeckt werden.
Auf diese Phase folgte jedoch erneut eine Phase des Niedergangs, die schließlich zur endgültigen Schließung des Werks 1738/ 39 führte. Es wurde spekuliert, ob Todesco selbst dafür verantwortlich war, wo er doch zu Beginn seines Vorhabens noch als „Künstler“ bezeichnet worden war. Die Gebäude in Sulzbach und Dudweiler wurden versteigert. Johann Lauer aus St. Ingbert kaufte die Sulzbacher Anlage und baute eine Mühle neben das Salzbrunnenhaus. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde dann das sogenannte Salzherrenhausgebaut. 1817 bis 1820 wurde die Saline von der damaligen Eigentümerin, der preußischen Bergbaubehörde, untersucht. Man entschied sich, den Betrieb nicht wieder aufzunehmen und deckte den Brunnen provisorisch ab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Salzbrunnenhaus Notunterkünfte eingerichtet. Erst als im Februar 1947 der Boden einer Wohnung einbrach, entdeckte man den Brunnenschacht wieder. Die Hauptkommission in Sulzbach gründete zum Erhalt der Anlage den Kulturverein, der fortan für die Pflege und Betreuung zuständig sein sollte. Der Vorschlag des damaligen Bürgermeisters, Fritz Schneider, das Salzbrunnenhaus als Museum zu nutzen, konnte zunächst nicht umgesetzt werden, denn durch den Wohnungsmangel mussten wiederum


Sozialwohnungen eingerichtet werden. Dieses Mal wurde der Brunnenschacht mit einer Betonplatte abgedeckt. Erst 1985 wurde die Idee wieder aufgegriffen. Denn der Anlage drohte der Abriss. Durch den Einsatz einiger Bürger wurde das Gebäude jedoch erhalten und restauriert. Im Salzherrenhaus haben heute das Kulturamt und die Volkshochschule ihren Sitz. Das Salzbrunnenhaus, das nun mit einer Bühne und Empore ausgestattet ist, bietet mehr als 100 Personen Platz und dient heute der Aufführung von Theaterstücken, Konzerten oder Ausstellungen und ist auch Anlass für das jährliche Salzbrunnenfest. Der Brunnen, dessen Holzauszimmerung noch die von 1560 ist, kann ebenfalls besichtigt werden. Auch im Original erhalten ist der mächtige Eichenbalken unterm Dach, der früher wohl eine Rolle für das Hebewerk des Brunnens gespielt hat. Heute ist die Bühnenbeleuchtung daran befestigt. Das Salzbrunnenhaus ist eines der wichtigsten Denkmäler der Industriegeschichte der Stadt Sulzbach und daher eine erhaltenswerte historische Städte.

Empfohlene Literatur:
  • Jüngst, Dr. Karl L., Nassau- Saarbrücker Salzgewinnung im Sulzbachtal, Sulzbach 1549- 1736, Dudweiler 1730- 1736, Sulzbach 1996.
  • Jüngst, Dr. Karl L., Staerk, Dr. Dieter (Hrsg.), Sulzbach/ Saar, Eine Stadt im Wandel der Zeiten, Sulzbach 1993.
  • Jüngst, Dr. Karl L., Staerk, Dr. Dieter (Hrsg.), Sulzbach – Saar in alten Ansichten, Bd. 2, Zaltbommel (Niederlande) 2003.
  • Quack, Dr. Brigitte, Die historischen Salzhäuser in Sulzbach, Ein bedeutendes Zeugnis saarländischer Industriegeschichte, in: Kulturdenkmäler im Stadtverband Saarbrücken- Die historischen Salzhäuser in Sulzbach, Saarbrücken 2004, S. 9- 19.